Interview mit Dr. med Thomas Nitzsche



Wir erhielten die Möglichkeit uns mit Dr. med Thomas Nitzsche, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie an der Klinik am Rosental Leipzig, über die Thematik der Faltenbehandlung mittels Hyaluronsäure, zu unterhalten. (siehe Prof. Dr. Peter Graf)

Benutzen Sie zur Faltenbehandlung auch Hyaluronsäure?

Faltenbehandlungen nehmen von Jahr zu Jahr einen größeren Stellenwert weltweit und auch in unserer Klinik ein. Diese Behandlungen werden täglich vielfach in unseren Behandlungsräumen durchgeführt. Nach einem ausführlichen Gespräch, in welchem die anatomischen Gegebenheiten, die Wünsche des Patienten sowie die möglichen Therapieverfahren besprochen wurden, wird die Erwartungshaltung der meisten Patienten sogar übertroffen. Wir sehen dies an unserem stets anwachsendem „treuen“ Patientenstamm.

Bei der Faltenbehandlung unterscheidet man grundsätzlich Falten der oberen Gesichtshälfte und Falten der unteren Gesichtshälfte. Im oberen Bereich handelt es sich in aller Regel um mimische Falten, d.h., sie werden durch die übermäßige und in aller Regel „selbstständige“ Arbeit der Gesichtsmuskeln hervorgerufen. Die größte Rolle hierbei spielen die Stirnmuskeln, die Muskeln der Zornesregion und die Muskeln um das Auge herum. Diese mimischen Muskeln werden vorrangig mit einem Botulinumtoxin inaktiviert. Dieses Toxin bewirkt eine Entkopplung von Nerv und Muskel. Die Strukturen von Nerv und Muskel werden nicht beschädigt!

Im unteren Gesichtsbereich handelt es sich vorrangig um statische Falten. D.h., diese Falten entstehen meist durch eine zunehmende Erschlaffung der tieferen und oberflächlichen Gesichtsweichteile. Die Mimik spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Diese statischen Falten lassen sich suffizient mit Hyaluronsäurepräparaten anheben. Das Hyaluronsäuregel entspricht zu ca. 99% unserer „eigenen“, in unserem Gewebe selbst produzierten Hyaluronsäure und ist somit absolut verträglich. Jahrelange Anwendungen in der Gelenk- und Weichgewebechirurgie sowie der Augenheilkunde belegen dies. Wie überall gibt es jedoch auch bei diesen Präparaten deutliche Abstufungen hinsichtlich Qualität und Haltbarkeit. Dies wird eingehend mit dem Patienten besprochen.

Neben einem Soforteffekt (Anhebung der Falten) wird zusätzlich die Lederhaut zu einem Wachstum angeregt, was ein festeres Bindegewebe nach sich zieht. Neue Falten können sich somit schlechter bilden. Die Haltbarkeit des „Soforteffektes“ beträgt ca. 12 Monate, einmal aufgebaute Lederhaut bleibt über viele Jahre erhalten. Somit wird es immer populärer und sinnvoller, bereits Falten in ihrer Anfangsphase mit Hyaluronsäure zu behandeln, um gar keine tiefen Falten entstehen zu lassen. Diese Fälle führen neben einem längeren frischeren Aussehen auch zu einer Kostenersparnis, da weniger Injektionen notwendig sind.

Was kostet solch ein Eingriff?

Die Kosten für diese Behandlungen richten sich nach den zu behandelnden Regionen, der Faltentiefe, dem Hautcharakter und den subjektiven Wünschen der Patientin. Botulinumbehandlungen beginnen bei 160,-€, Hyaluronsäurebehandlungen bei 180,-€. Innerhalb eines ausführlichen Beratungsgespräches werden zwischen Arzt und Patient ein Behandlungsschema entwickelt und die genauen Preise festgelegt.

Wie beurteilen Sie persönlich das Verbot des Präparats Macrolane in Frankreich?

Macrolanebehandlungen wurden in unserer Klinik aufgrund der von Anfang an vorhandenen Vorbehalte nie durchgeführt. Die prinzipielle Unbedenklichkeit der Hyaluronsäureprodukte wurde in diesem Präparat durch die sehr hohe Molekülgröße ausgehebelt. Dies führte in Einzelfällen zu Hautunebenheiten und Verhärtungen. Dies hatte z.T. auch Gründe in der zu großzügigen Anwendung von Makrolane. Nicht jeder Patient war hierfür geeignet! Bereits behandelte Patienten ohne Probleme sollten sich keine Gedanken machen.

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie

Zur Person: Dr. med. Thomas Nitzsche studierte Humanmedizin in Leipzig. Im Anschluss absolvierte er eine Ausbildung zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Kliniken für plastische- und Handchirurgie sowie Schwerbrandverletzte in Leipzig und Halle. 2001 erhielt er eine Auszeichnung für die beste Doktorarbeit der handchirurgischen Gesellschaften von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zudem veröffentlicht er zahlreiche Beiträge in nationalen und internationalen Fachzeitschriften (z.B. Journal of plastic and reconstructive surgery) und hält Fachvorträge (u.a. im arabischen Raum). Seit 2004 ist er Chefarzt der Klinik am Rosental in Leipzig.